Was bedeutet es, eine tantrische Haltung zu behalten in einer Welt, die vom Virus geschüttelt ist und wo die Maskenpflicht seit kurzem verordnete Pflicht ist? Wollten wir nicht die Masken des Egos herunterreißen, um uns mit Authentizität zu begegnen?

Die körperliche Wahrnehmung, die Mimik des Gegenübers ist eine wichtige Basis der Kommunikation und Offenheit. Der lebendige Ausdruck von Gefühlen und Gedanken erzeugt Nähe und Intimität. Die Wahrnehmung zu begrenzen durch Masken und das Gesichtsfeld einzuschränken, erzeugt bei den meisten Menschen Anspannung und Stress für das limbische System.

Angst ist ansteckend und ein ungeliebtes Gefühl. Für die meisten ist Angst im Alltag schwer wahrnehmbar und wird gern übertüncht. Wenn es einen Adressaten, ein Objekt gibt, dann tun wir uns leichter, die Angst körperlich zu spüren. Vor allem in Form von Wut, Zorn und Hilflosigkeit. Damit sind wir wohl alle beinah weltweit konfrontiert worden.

Aus psychologischer Sicht wird vorhandene und nicht wahrgenommene Angst mit Vorliebe externalisiert. In Beziehungen zum Beispiel gern in Form von Ärger auf den Partner. Wenn hinuntergeschluckte Gefühle sich nach Außen richten, dann entspannt sich das gesamte Nervenystem. Das Perfide daran ist, das der Ausdruck nicht unbedingt adäquat oder angemessen sein muss.

Heutzutage helfen die Medien stark mit, dass sich die Angst an ein Virus klammern kann: Jeder hat eine Meinung zu Covid-19 – außer das Virus selbst. In der Vergrößerung sieht es punkig- poppiges aus und erinnert mit seinen Namen an das koffeinfreie, spritzige Erfrischungsgetränk 7 up. Mit kontinuierlich dramatischer Berichterstattung und auf (der) Grundlage interner vorhandener Angst wird die neue Bedrohung zu einer Art Massenwahn, die sich u.a. äußert in (Klopapier-und) Hamsterkäufe, oder das Tragen einer Maske allein im Auto Die Überlebensinstinkte übernehmen und das Frontalhirn ruht in stand by modus. Der Mensch ist evolutionär nicht weit weg vom Tier.

Das Tantra möchte allerdings, dass wir mit den Göttern an einem Tisch sitzen. Wie geht das denn? Es wird auch als ein Weg der Befreiung beschrieben. Eine Grundvoraussetzung ist, das sog. ICH zutiefst zu verstehen und zu beleuchten. Die persönliche Geschichte als Rucksack zu erkennen und an manchen Tagen die Ängste ablegen zu können. Hier spricht man von der Konfrontation mit den inneren Dämonen. Die Dämonen entwickeln sich aus nicht verarbeiteten Geschehnissen und Ängsten aus der Kindheit. Für viele Menschen bedeutet das eine Auseinandersetzung mit frühkindlichen Störungen oder gar Traumata. Ist dies im Unbewussten vergraben, so wird auch später bei angst erzeugenden Situationen gern die Eigenverantwortung und das Denken im Hausflur abgegeben. Das hohe Sicherheitsbedürfnis schafft den Bedarf nach starker Führung und geht Hand in Hand mit der mangelnden Fähigkeit seinem Körper zu vertrauen sowie für sich selbst Sorge zu tragen.

Da die Dämonen im Unbewussten/Dunkeln lauern, keinen Abstand halten und auch noch maskiert sind, ist die Feinarbeit an der Stelle eine langfristige Investition in den eigenen Reifegrad.

Tantra ist eine Möglichkeit, Licht in die Geschehnisse zu bringen. Es spricht vom „stetigen Feilen am inneren Diamanten“ . Dies bedeutet, die Masken der Vergangenheit abzunehmen, um mit anderen Menschen als einzigartiger Stern direkt in Kontakt zu gehen.

Wie geht das nun samt Maskenpflicht?

Wie wäre es wenn die Maske nicht kalt weiß sondern silbrig glänzend verführerisch wäre und dem Charme und dem Esprit des Trägers entspräche? Wie wäre es, wenn hinter der sonst erstarrten Mimik, geheim gehaltene Bedürfnisse durch das Tragen einer passenden Maske offenbar würden? Oder wenn der Wunsch nach konkreten Vorstellungen von Liebe oder Sex durch das Design der Maske offenbar würde?

Wenn das Tantra nichts ausschließt und alle Phänomene als Einheit betrachtet, dann drängt die derzeitige Situation dazu, die innere Heiterkeit und ein Wohlwollen mit scharfen Verstand lächelnd hoch zu halten.

Wir sitzen auf den Wellen des Lebens und sie wird uns irgendwann an den Strand spülen. Unausweichlich. Leben ist immer ein Risiko gewesen,- auch wenn dies nicht und – manchmal gottseidank- wahrnehmbar ist. Sterben ist unvermeidlich. In der Zwischenzeit möge das Leben eine Feier sein, die die Kostbarkeit des verletzlich Lebendigen zelebriert.

Und was ist mit der Angst?

Wenn jemand Angst hat ist es manchmal besser ihn darin zu belassen und nicht zu versuchen, es ihm auszureden. Es ist gut, da zu sein, – in Gemeinschaft zu sein- so dass sich sein Nervensystem beruhigen kann. Todesangst ist die letzte und größte Angst des Menschen, die zellulär verankert ist. Und das ist auch gut so. Inwiefern sich die Menschen in ihren Entscheidungen davon lenken lassen ist eine andere Frage.

An der Stelle möchte ich enden mit einem Zitat aus der ersten Seite des Hevajra Tantras: „Wer diese Worte versteht, wird den Tod nicht schmecken.“